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Büros, die sich nicht nach Arbeit anfühlen
     
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Ahoi!
 
Lichtdurchflutete Räume, Wände aus Glas, eine Bar, in der Milch und Gin Tonic fließen. Auf den Fluren der Kommunikationsagentur „Achtung!“ spiegelt sich das unternehmenseigene Motto: “bemerkenswert sein”. Warum Agentur-Kapitän Mirko Kaminski an die Präsenzkultur glaubt und den individuellen Schreibtisch nicht abschaffen möchte. Das Interview in inperspective snacks #33.

inperspective snacks - Der Lead - Die Plasmablase für kreative Arbeit
Die Plasmablase für kreative Arbeit
von Lilli Lipka

inperspective: Mirko, man sieht dich häufig beim Baden vor Fehmarn, der Hauptsitz deiner Agenturgruppe “Achtung!” befindet sich in Hamburg. Wie teilst du deine Zeiten zwischen Großstadt und Insel ein?
 
Mirko Kaminski: Mein Vorgehen hat sich über die vergangenen zwei Jahre mehrfach massiv verändert. Im März 2020 war ich zu Beginn der Pandemie jeden Tag im Büro. Ich habe viele Videos aufgenommen, die unsere Leute sich zu Hause ansehen konnten. Ich wollte, dass sie die Räume im Hintergrund sehen. Das sollte auf die Identifikation mit unserer Kultur einzahlen. Dann habe ich Gefallen am Homeoffice in unserem Wochenendhaus gefunden. Ein Strandspaziergang zwischendurch ist sensationell. Inzwischen bin ich wieder mehr im Büro. Ich will Vorbild sein.

inperspective: Vorbild wofür?
 
Mirko: Uns ist wichtig, dass unsere Kolleg:innen regelmäßig zusammen kommen. Es geht um Kreativität. An Trends dranbleiben, sich mit anderen austauschen und inspirieren lassen. Unser Agenturgeschäft lässt sich nicht dauerhaft vom Wohnzimmertisch aus gestalten. Ein gutes Beispiel ist unser vierköpfiges Top-Kreativteam. Während des Lockdowns war es über den gesamten Arbeitstag über Zoom verbunden. Sie haben nicht die ganze Zeit miteinander gesprochen, aber sich gesehen, den Tag zusammen verbracht. Sie brauchten den permanenten Kontakt für ihre Impulse. An der Espressomaschine lässt es sich natürlich viel angenehmer kreativ denken als auf Effizienz getrimmt via Videocall. Manchmal müssen Menschen für eine gute Idee miteinander schnacken.

inperspective snacks - Büro ACHTUNG!

inperspective: Du bist im Büro anwesend, das ist ein Argument. Wie begeisterst du noch für die freiwillige Rückkehr ins Office?
 
Mirko: Wir setzen ungewöhnliche Anreize. Einmal im Monat kommt ein Foodtruck zu uns. Mit dem spendieren wir Burger für alle. Oder wir veranstalten etwas in unserer Achtung!-Bar. Einen Spieleabend oder einen Talk mit einem Guestspeaker. Zuletzt gab es Spargel und Wein.
 
inperspective: Momentan wird viel über flexible Raumkonzepte gesprochen, für manche hat der Schreibtisch für jedefrau und jedermann ausgedient.
 
Mirko: Ich glaube, dass Menschen im Unternehmen einen Anker benötigen. Eine persönliche Heimat. Mit meinem eigenen Rollcontainer, in dem die Aspirins liegen und die Kaugummis. Mit Schreibtischen, auf denen Fotos von der Familie oder den Katzen stehen. Ich bin in der Agentur strikt gegen den Abbau von individuellen Arbeitsplätzen. Ich las mal von einer Studie, für die die Forschenden in einer Produktionsstraße räumliche Veränderungen vornahmen. Vorher waren die Arbeiter und Arbeiterinnen am Fließband durch Stellwände getrennt. Sie hatten ihren eigenen Raum. Dann wurden die Wände abgebaut. Die Leute verloren ihren individuellen Platz. Ihre Produktivität sank signifikant.

     
Digital-Pionier Mirko Kaminski
     
“Unser Agenturgeschäft lässt sich nicht dauerhaft vom Wohnzimmertisch aus gestalten.”
     

inperspective: “Achtung!” ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen, das von engen und vertrauensvollen Kund:innenbeziehungen lebt. Welchen Einfluss haben Räume auf eure Klientinnen und Klienten?
 
Mirko: Wir sind ein Dienstleister. Es gibt keine Produkte von uns, die im Regal liegen und die Mitarbeitende und Kund:innen anfassen können. Bei uns muss das Büro greifbar sein. Als wir unsere drei Etagen umbauten, habe ich mich mit unserem Architekten Henrik Diemann in das Thema Corporate Architecture eingearbeitet. Wir wollen über Räume unsere Marke zeigen.
 
inperspective: Welche architektonischen Merkmale stehen für deine Agentur?
 
Mirko: Die große Offenheit. Es gibt wenige geschlossene Räume, und die, die es gibt, werden nur durch Glas vom Open Space getrennt. Auch lange Fluchten vermitteln Offenheit. Die Transparenz lädt zum Kommunizieren ein. Ein weiteres Merkmal sind die vielen Bänke. Ich habe unseren Architekten seinerzeit belächelt. Sogar behauptet, er hätte einen Bänke-Tick. Aber er hatte recht: Wenn eine Bank da ist, setzt du dich hin und sprichst mit den Personen neben dir.

inperspective snacks - Der Lead - Büro ACHTUNG! Flure

inperspective: Wie hat die Corona-Pandemie das Design eurer Arbeitswelt geprägt?
 
Mirko: Es ergibt keinen Sinn, dass die Hauptfunktion eines Büros die Stillarbeit am Schreibtisch ist. Diese Form der Arbeit funktioniert im Homeoffice besser. Das Office muss mit Dingen aufwarten, die Mitarbeitende zu Hause nicht finden. Wir widmen unsere Flächen um, schaffen Bühnen für Kollaboration, Co-Working und Events. Unser Büro ist keine Ansammlung von Arbeitsplätzen. Es ist ein Flagship-Store der Arbeitgebermarke. In so einem Laden passiert immer etwas, damit die Marke lebendig und spürbar ist. Auch unsere Agenturräume müssen bemerkenswert bleiben.
 
Außerdem vergleiche ich das Büro gerne mit einer Plasmablase aus einem Science-Fiction-Film. Raumschiffe docken dort an und laden sich mit Energie auf. Bei uns sollen die Mitarbeitenden Inspiration und Anregung aufsaugen.
 
inperspective: Was ist die Plasmablase von “Achtung!”?
 
Mirko: Das ist die Bar. Sie ist zentral und dokumentiert die Kernidee unseres Büros am besten. Wir haben die Bar erst seit Kurzem, aber sie ist schon wahnsinnig beliebt. Tagsüber sitzen Leute mit einem Kaffee in den Sesseln und arbeiten. Abends gibt es gemeinsame Drinks, lockere Gespräche. Das Büro fühlt sich nicht nach Arbeit an. Das ist der Sinn der Sache.

inperspective snacks - Der Lead - Büro ACHTUNG! Bar

inperspective: Das klingt alles sehr logisch und naheliegend. Gibt es ein Geheimnis, das bei der Gestaltung der Arbeitswelten besonders wichtig war?
 
Mirko: Bei uns in Eppendorf gibt es seit Ewigkeiten das erfolgreiche Bistro Borchers. Mit dem Inhaber habe ich mich darüber unterhalten, wie er den Laden seit 25 Jahren jeden Tag rappelvoll bekommt. Seine Antwort? Weil er jede Woche etwas verändert. Täglich denkt er über seine Einrichtung nach. Mal wird ein Bild verändert, mal eine neue Lampe aufgehängt. Die Gäste bemerken die Veränderungen teilweise nur unterbewusst. Sie spüren jedoch, dass das Lokal lebt, es aktuell bleibt. Dieses Leitbild gilt genauso für Büros, insbesondere für Agenturräume. Wir denken deshalb permanent über unseren Workspace nach. Er muss relevant bleiben. In einem Wort: lebendig.

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