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KI-generierte Illustration
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Konnichiwa!
In Japan gibt es ein Wort, das sich nicht direkt buchstäblich übersetzen lässt: Ma (sprich: maa). Gemeint ist die bedeutungstragende Pause zwischen zwei Dingen. In der Musik ist Ma die Stille zwischen den Tönen. In der Kalligrafie der weiße Raum um das Schriftzeichen. In der Architektur das, was zwischen Räumen passiert.
Bei uns heißt das übrigens in aller germanischer Poesie: Flur. In Ausgabe #148 erzählen wir, warum wir mehr Ma brauchen.
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Vom Ma und Mu sowie den vergessenen Zonen
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von Hannes Hilbrecht
Stell dir vor, es gibt Activity-Based Working, aber niemand wechselt die Zone.
So sieht der Alltag in vielen Büros aus, die nach modernster Lehrbuchmanier zoniert sind. Es gibt eine Fokuszone für konzentriertes Arbeiten. Eine Kollaborationszone fürs Brainstormen. Eine Ruhezone fürs Telefonieren. Eine Lounge für lockere Gespräche. Manchmal sogar eine Phone-Booth-Reihe für Calls.
In manchen Büros haben sogar sogenannte Möter (Halb Mensch, halb Hund) ihren eigenen Bereich.
Trotzdem klebt jeder an seinem Napf, ähm, Tisch.
Warum? Weil zwischen den Zonen nichts passiert.
Viele Planerinnen und Planer denken Zonierung als Räume. Hier ist Raum A, dort Raum B. Dazwischen ein Flur, eine Tür, ein Pfeil im Grundriss. Erledigt. Aber unser Gehirn funktioniert nicht so. Unser Gehirn braucht den Übergang.
Es braucht sein Ma.
Das japanische Wort beschreibt genau das, was westliche Architektur selten plant: den Zwischenraum als eigenständigen Ort. In japanischen Tempeln führt nicht einfach ein Korridor zum Hauptraum. Es gibt eine Schwelle. Einen Vorraum. Einen Moment, in dem man die Schuhe auszieht. Einen weiteren, in dem sich die Decke senkt, bevor sie wieder steigt. Bis du im Hauptraum ankommst, hast du dich innerlich umgestellt. Du bist ein anderer geworden.
In deutschen Bürogrundrissen heißt dieser Bereich: Verkehrsfläche. Schon das Wort verrät alles. Es geht um Durchsatz, nicht um Verwandlung.
Das ist der Grund, warum Activity-Based Working in vielen Unternehmen scheitert. Eine Studie der Universität Sydney zeigte 2018: Nur ein einstelliger Prozentsatz der Mitarbeitenden in zonierten Bürowelten wechselt tatsächlich regelmäßig die Zone. Der Rest bleibt sitzen. Die Architektur macht ihren Job. Die Menschen machen ihn nicht mit.
Die Erklärung steckt in der Hirnforschung. Unser präfrontaler Cortex – das Hirnareal für komplexes Denken – braucht für jeden mentalen Zonenwechsel etwa vier Minuten. Vom Modus Konzentration in den Modus Gespräch. Vom Modus Telefon in den Modus kreatives Denken. Diese vier Minuten sind nicht verhandelbar.
In japanischer Architektur sind diese vier Minuten eingebaut. Im deutschen Großraumbüro sind sie ein Korridor mit Teppichfliesen. Wer durch den Korridor läuft, kommt am anderen Ende noch im alten Modus an. Also lieber gleich sitzen bleiben.
Der Effekt ist absurd. Unternehmen geben fünfstellige Beträge für die zonierte Bürolandschaft aus. Sie kaufen Akustikwürfel, Phone Booths, Lounge-Möbel. Und versäumen genau das, was die Zonen erst funktionieren lässt: den Raum dazwischen.
Mit Geld allein nichts los. Muss man so deutlich sagen.
Die gute Nachricht: Ma lässt sich bauen. Man muss es nur wollen. Und es kostet nicht zwingend mehr – manchmal sogar weniger, weil man Fläche neu denkt, statt sie zuzustellen.
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Wie du Ma in dein Büro holst
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Ein Übergang braucht ein Signal. Etwas, das dem Gehirn sagt: Du verlässt jetzt eine Zone und betrittst eine neue. Drei einfache Hebel sind besonders wirksam:
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Der Materialwechsel unter den Füßen. Wer aus einer Fokuszone in eine Lounge tritt, sollte das spüren. Vom Hartboden auf Teppich. Von Beton auf Holz. Der Körper liest das in Millisekunden. Das Gehirn registriert eine andere Welt. Pardon: eine schöne, andere Welt.
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Die Lichtdramaturgie. Übergänge sollten dunkler sein als die Räume davor und dahinter. Klingt absurd, funktioniert aber. Ein leicht abgedunkelter Korridor zwischen zwei hellen Zonen wirkt wie eine Augen-Reset-Strecke. Der präfrontale Cortex wird beim Moduswechsel unterstützt.
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Das Möbel-Nichts. Übergänge sollten leer sein. Keine Sitznischen, keine Pflanzen, keine Bilder. Der Übergang darf nicht selbst Zone werden, sonst hört der Wechsel auf, wirken zu können. Das ist die schwerste Übung, weil leere Flächen immer als irgendwie verschwendet gelten. In Japan nennt man das Mu. Das produktive Nichts. Bei uns nennt man es: gestrichen.
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Klar: Ein Büro mit Ma und Mu ist nicht teurer als eines ohne. Es ist nur klüger geplant. Es weiß, dass Räume nicht aus Räumen bestehen, sondern auch aus den Pausen dazwischen. Wie Musik. Wie Sprache. Wie Atmen.
Wer Zonierung ernst meint, plant nicht die Zonen. Er plant die Schwellen.
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Die Wissenschaft des Zwischenraums
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Der Doorway Effect. Eine Studie der University of Notre Dame zeigte 2011: Schon das Durchschreiten einer Tür triggert im Gehirn einen Reset. Das Kurzzeitgedächtnis löscht Inhalte, die zur alten Umgebung gehören. Der Effekt erklärt, warum man in der Küche steht und nicht mehr weiß, was man holen wollte. Planende können diesen Effekt nutzen – wenn sie ihn kennen.
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Mas und das Tatami-Maß. Im traditionellen japanischen Hausbau wird Raum nicht in Quadratmetern gemessen, sondern in Tatamis – Reisstrohmatten von etwa 1,80 mal 0,90 Metern. Ein Raum hat 4,5 Tatamis, ein anderer 6. Aber zwischen ihnen liegen halbe oder leere Tatami-Felder, die als Ma eingeplant sind. Sie sind kein Restposten, sondern Architektur.
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Die 50-Meter-Grenze. Der MIT-Forscher Thomas Allen bewies in den 70ern: Wer mehr als 50 Meter voneinander entfernt sitzt, kommuniziert praktisch nicht mehr. Die nach ihm benannte Allen-Kurve fällt steil ab. Für Zonierung heißt das: Wer Teams trennen will, muss sie nur weit genug auseinanderziehen. Wer sie zusammenhalten will, muss die Schwelle dazwischen kurz halten. Distanz ist die heimliche Architektur jedes Büros.
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Wie Raum Kreativität formt - Jörg Stirnberg über Arbeitskultur Jörg Stirnberg, Chef der Kölner Markendesign-Agentur Bunte Brause, weiß: Wer für andere Marken baut, muss zuerst das eigene Büro ernst nehmen. Im Gespräch aus dem PALMBERG Showroom in Düsseldorf erzählt er, warum sein Studio auf Seekiefer, schräge Winkel und offene Flächen setzt – und warum die Kaffeeküche die eigentliche Seele eines Unternehmens ist. Außerdem: was Corona mit Agenturkultur gemacht hat und warum sich eine Marke niemals einfach „überstülpen" lässt.
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