| |
|
|
|
Das Cockpit für niemanden
|
|
| |
|
|
|
|
Roger!
Nein, wir meinen nicht den Rostocker Comedian Roger G., der schon mal im PALMBERG-Werk in Schönberg die Herkunft seiner – Zitat – »Akaziengranate« erkundete.
Wir meinen die Militärsprache von Pilotinnen und Piloten. Warum sagen die eigentlich »roger« und nicht »ja«?
Ganz einfach: Weil sie damit lediglich den Empfang einer Nachricht bestätigen können, ohne sie gleich bejahen zu müssen. Das »R« in Roger steht demnach für »received«.
Wieder was gelernt!
Was Kampfjets mit Büros zu tun haben, liest du in Ausgabe #155 von inperspective snacks.
|
|
|
|
Das Ende des Durchschnitts
|
|
|
|
von Hannes Hilbrecht
Es gab nicht wenige Verdächtige.
Ende der 40er verlor die US Air Force beinahe die Nerven. Reihenweise zerschellten Jets, an schwarzen Tagen mehrere auf einmal. Verdächtigt wurde alles: das Wetter, die Technik, die hartgesottenen Kerle im Cockpit.
1950 vermaß die Air Force deshalb 4.063 Piloten. 140 Maße pro Mann, vom Brustumfang bis zum Abstand zwischen Auge und Ohr. Man wollte den Durchschnittspiloten endlich sauber berechnen und das Cockpit nach ihm bauen. Mittendrin ein Leutnant, 23, Brille, Botanik-Fan, mit einer dummen Frage im Kopf: Wie viele Piloten sind eigentlich wirklich Durchschnitt?
Gilbert Daniels ging seiner Frage nach. Nahm die zehn wichtigsten Maße. Großzügig, wie er war, zählte jeder zum Durchschnitt, der in den mittleren 30 Prozent lag. Dann verglich er Pilot für Pilot mit diesem Idealmaß.
Die Anzahl der Treffer?
Keiner. Nada. Null.
Von 4.063 Piloten passte niemand in allen zehn Maßen. Der Durchschnittspilot war ein Gespenst. Und ein Cockpit, gebaut für ein Gespenst, passte exakt niemandem.
Die Air Force zog sozusagen den Schleudersitz. Sie wollte nicht länger den Menschen in die Maschine quetschen, sondern die Maschine an den Menschen schrauben. Verstellbarer Sitz, verstellbare Pedale, verstellbare Gurte. Die Abstürze gingen runter, die Leistung rauf. Dass du heute deinen Autositz nach hinten schieben kannst, liegt vielleicht auch an den damaligen Erkenntnissen.
Schöne alte Geschichte, denkst du vielleicht.
Das Thema ist prekärer und aktueller als du denkst.
Dreh mal an deinem Thermostat.
Die Formel, nach der in vielen Büros die Temperatur geregelt wird, stammt aus den 60ern. Sie rechnet mit dem Stoffwechsel eines Mannes: 40 Jahre, 70 Kilo, schlank. Für den ist es angenehm. Für andere zu frisch. Eine Maastricht-Studie schätzt, dass die Formel den Wärmeumsatz von Frauen um bis zu 35 Prozent überschätzt. Deshalb sitzt deine Kollegin im Juli in der Fleecejacke, während der Kollege im Hemd schwitzt.
Und das ist nur das, was der Körper fühlt. Beim Gehirn wird’s noch komplexer. Und hier sind die Probleme in zahlreichen Offices gewaltig.
Sie sind geplant für ein Durchschnittshirn, das es genauso wenig gibt wie den Durchschnittspiloten. Rund 15 bis 20 Prozent der Menschen sind neurodivergent. Sie haben ADHS, Autismus, Legasthenie oder andere Besonderheiten. Und das Spektrum ist noch viel größer. Denn: Reiz ist keine Ja-Nein-Frage. Jeder Mensch sitzt irgendwo zwischen »zu laut« und »zu still«, zwischen »zu grell« und »zu fad«. Auch du. Auch deine ruhigste Kollegin, die nie etwas sagt.
Und weil das keiner mitdenkt, versagt das Büro sogar bei seiner einzigen Aufgabe. Harvard hat zwei Konzerne beim Umzug ins Open Space begleitet, ein Teil der Belegschaft trug Sensoren. Ergebnis: Danach redeten die Leute 70 Prozent weniger miteinander, zumindest von Angesicht zu Angesicht. Stattdessen mailten und chatteten sie, quer durch den Raum, drei Meter voneinander entfernt. Das Büro, gebaut für Begegnung, ließ alle verstummen.
Neuroinklusives Design wird trotzdem zu häufig als Chichi verkauft, als Add-on für den Diversitätsbericht, von einigen sogar noch anderweitig geschmäht.
Dabei bedeutet neuroinklusives Design vor allem, dass alle Pilotinnen und Piloten moderner Wissensarbeit das ideale Cockpit für ihre Tätigkeit vorfinden – und damit ihre Unternehmen beim Durchstarten unterstützen können.
Wer aber nur die Mitte im Blick hat, den Durchschnittsmenschen, wird auch nur das bekommen: Durchschnitt.
Mehr zum neuroinklusiven Design liest du im Magazin.
|
|
|
| |
|
|
| |
|
Krankmachender Großraum. Wer im Open Space mit mehr als sechs Leuten sitzt, hat 62 Prozent mehr Krankheitstage als jemand im Einzelbüro. Das ist keine Vermutung: Der dänische Arbeitsforscher Jan Pejtersen wies es 2011 im Fachblatt Scandinavian Journal of Work, Environment & Health nach, anhand der Daten von 2.403 Beschäftigten. Und der Effekt steigt mit jeder Person im Raum. Der Großraum spart Quadratmeter. Er kostet Krankheitstage.
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
| |
|
Die Röhre, die Köpfe kostet. Tausch flimmernde Leuchtstoffröhren (100 Hertz) gegen Hochfrequenz-Lichttechnik, und Kopfschmerzen und Augenbelastung im Büro halbieren sich. Mindestens. Das zeigte der britische Wahrnehmungsforscher Arnold Wilkins schon 1989 in einer Doppelblind-Studie mit Büroangestellten (Lighting Research and Technology). Am härtesten trifft es eine empfindliche Minderheit, die das Flackern buchstäblich sieht. Das billigste Upgrade fürs Wohlbefinden hängt manchmal an der Decke.
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
| |
|
Das ausgesperrte Talent. Nur rund 22 Prozent autistischer Erwachsener sind in Arbeit, die niedrigste Quote aller Behindertengruppen. So steht es im Bericht „Outcomes for disabled people in the UK" der britischen Statistikbehörde ONS (2021). Dabei meldet JPMorgan aus seinem Programm »Autism at Work«, dass diese Kolleginnen und Kollegen in bestimmten Tech-Rollen 90 bis 140 Prozent produktiver arbeiten, nahezu fehlerfrei. Das Talent ist da. Doch auch Büros sperren diese Talente aus.
|
|
|
| |
|
|
|
|
3 neurodiverse Signale, die du garantiert falsch liest
|
|
|
|
Im Sprachunterricht sind falsche Freunde die fiesen Wörter, die vertraut aussehen und etwas ganz anderes meinen. »Gift« heißt auf Englisch Geschenk, auf Deutsch bringt es dich um. Im Büro läuft dasselbe Spiel, nur mit Menschen. Drei Verhaltensweisen, die aussehen wie das eine und sind wie das andere:
|
|
|
|
- Zappeln. Sieht aus wie Unruhe und Desinteresse. Ist bei vielen ADHS-Köpfen das genaue Gegenteil: Bewegung hält die Konzentration am Laufen. Wer mit dem Fuß wippt, driftet nicht ab, er hält sich fest. Ein Büro, das »still sitzen« verlangt, sabotiert genau die Leute, die es beschäftigt.
- Kopfhörer auf. Sieht aus wie »lasst mich in Ruhe, Team ist mir egal«. Ist in Wahrheit Notwehr: die Wand, die das Open Space abgerissen hat, wieder hochgezogen. Kein Rückzug aus dem Team, sondern der Versuch, überhaupt arbeiten zu können.
- Kein Blickkontakt. Sieht aus wie »hört mir nicht zu« oder »hat was zu verbergen«. Ist für viele autistische Menschen die Voraussetzung fürs Zuhören. Blickkontakt frisst Rechenleistung. Wer wegschaut, macht den Kopf frei für das, was du gerade sagst.
|
|
|
|
Diese E-Mail wurde an unknown@noemail.com versandt. Sie haben diese E-Mail erhalten, weil Sie sich auf palmberg.de für den Newsletter angemeldet haben. Möchten Sie den inperspective Newsletter abbestellen? Jetzt abbestellenPALMBERG Büroeinrichtung + Service GmbH Am Palmberg 9 · 23923 Schönberg © 2026 PALMBERG Büroeinrichtungen + Service GmbH.
|
|
|
|