Doch gar nicht so leer
     
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Ubuntu!

Wir haben uns nicht vertippt. Ubuntu kommt aus dem südlichen Afrika, aus den Nguni-Sprachen, und heißt ungefähr: Ich bin, weil wir sind.

Menschlichkeit, das Ich, entsteht also erst durch die Gemeinschaft.

Warum wir dich damit begrüßen? Aus zwei Gründen.

Erstens ist Ubuntu zufällig auch der Name eines Linux-basierten Betriebssystems. Ganz passend, wenn es um Maschinen geht.

Zweitens, weil Ausgabe #156 von inperspective snacks genau davon handelt, wie die Maschine Menschen zusammenbringt und nicht trennt.
inperspective snacks - Der Lead - Warum die Maschine das Büro nicht leert, sondern füllt
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Warum die Maschine das Büro nicht leert, sondern füllt
von Hannes Hilbrecht

Es schien wie eine sichere Prophezeiung. Vor drei Jahren war die Sache klar. Die KI kommt, die Büros veröden. Alle hocken allein daheim im Bademantel. Flüstern ihrem Chatbot Befehle zu. Trinken vielleicht schon vor sechs, jetzt wo die Gemütlichkeit des Herbstes naht, einen White Russian. Oder gehen »Gassi«, während die KI arbeitet, damit der Wauwi nicht auf den Teppich pinkelt.

Allein, allein, titelte auch inperspective snacks vor Monaten.

Nun: Das stimmt nun doch nicht.

In den USA, wo man die Arbeitswelt am gründlichsten vermisst, hat das dort ansässige Designbüro Gensler 16.459 Büromenschen befragt. Ein knappes Drittel von ihnen sind inzwischen sogenannte »AI Power User«. Also Leute, die KI täglich nutzen, im Job wie privat. Und ausgerechnet die sitzen am seltensten allein. Sie verbringen 37 Prozent ihrer Woche mit Einzelarbeit. Alle anderen, die nicht KI-Enthusiastinnen und -Enthusiasten: 42 Prozent.

Die Power-User geben auch an, dass sie mehr lernen, sich mehr austauschen. Sie kommen sogar, KI-generierter Trommelwirbel, häufiger ins Büro. Nicht trotz der Maschine, sondern ihretwegen.

Der Einzelgänger mit dem Chatbot? Mehr Ausnahme als Regel. Stattdessen wieder halbwegs volle Räume: Die Leute sitzen laut Genssler wieder 55 Prozent ihrer Woche im Büro.

Aber auch hier: Warum?

Eine vielversprechende Theorie: Weil die Maschine den einsamsten Teil der Arbeit gefressen hat. Das stille Schnippeln – Rohfassung, Recherche, Excel-Tabellen (der Polyurethan-Baumschaum der Wissensarbeit) – erledigt jetzt die KI. In Sekunden, ohne Kaffeepause. Übrig bleibt die andere Arbeit: abschmecken, entscheiden, sich zurufen, ob das Ganze trägt. Und das macht niemand gern allein.

Nur: Die Büros sind auf diese neue Arbeit nicht gebaut. Die Zahlen sind deutlich: 65 Prozent der Befragten verkriechen sich in Meetingräume, um nach dem kreativen Austausch die geschöpften Gedanken allein zu verarbeiten. 60 Prozent halten ihre Meetings am eigenen Schreibtisch ab. 64 Prozent nehmen Anrufe im Flur entgegen, vielleicht, weil in den Meetingräumen gerade ein anderer seinen Input verarbeitet. Jeder zweite Büromensch bastelt sich die Umgebung selbst zurecht, weil der Raum nicht von selbst liefert, was die Arbeit braucht. Das Büro macht gerade alles falsch herum: laut, wo es leise sein müsste, und leise, wo es laut sein dürfte.

Und die Konsequenz zeichnet sich schon ab. 78 Prozent der Führungskräfte sagen, die KI werde sie zwingen, ihre Büros in den nächsten Jahren umzubauen. Zukunftsszenarien sprechen von der akustisch dichten Kammer, in der man ungestört mit der Maschine denkt. Und direkt davor eine Veranda, eine Übergangszone, aus der man zurück ins Gespräch gleitet. Rückzug und Reibung, sauber getrennt, Tür an Tür.
FACTSheet
Diese Firmen bauen ihr Büro schon um
     
 
Icon - Fact Sheet - Zusammenarbeit
 
   
Menlo Park, USA:
Der Datenkonzern Snowflake hat das oberste Stockwerk seiner Zentrale zum »AI Hub« umgewidmet. Rund 2.800 Quadratmeter als Treffpunkt und innovativer Wasserspender für die halbe Branche. Richtig gelesen: Das neu geschaffene Deck soll nicht nur die eigene Mitarbeitenden zusammenbringen, sondern auch externe.
 
     
     
 
Icon - Fact Sheet - Anstieg
 
   
Arlington, USA:
Scale AI verlegte sein Washingtoner Büro in einen größeren Standort und rüstete es dabei um. Ausdrücklich mit besseren Räumen für die Zusammenarbeit und Kundenbegegnungen. Die Kapazität wuchs von 30 auf 100 Plätze. Nicht einfach mehr Tische. Sondern Orte, an denen man sich in real begegnet.
 
     
     
 
Icon - Fact Sheet - Forschung
 
   
London, Großbritannien:
In einer ehemaligen Gin-Destille entstand der London AI Hub. Mehr als 7.400 Quadratmeter mit Laboren und schallgedämmten Räumen statt Schreibtischreihen. Selbst KI-Firmen mit winzigen Teams verlangen heute Infrastruktur, die früher Konzernen vorbehalten war.
 
     
Wusstest du schon?
Das Wort »Roboter« ist über hundert Jahre alt – und es bedeutet nichts Gutes. Der tschechische Schriftsteller Karel Čapek prägte es 1920 in seinem Theaterstück „R.U.R.", in dem künstliche Arbeiter sich gegen ihre Erschaffer erheben. Der Begriff kommt vom tschechischen robota: Fronarbeit. Die Plackerei, die Leibeigene ihren Herren schuldeten – ohne Lohn, ohne Ende. Den Namen selbst schlug übrigens Čapeks Bruder Josef vor. Auch das deutsche Wort »robotten« lässt sich davon ableiten. Aber bevor du nun weiter robotten gehst, lies lieber unseren Deep Dive zu diesem Thema.
LESETIPP
KI im Büro: Warum die Wand ihr schlechtes Image verliert
Zwanzig Jahre lang war die Wand der Buhmann der Bürogestaltung. Jetzt kehrt sich ihr Ruf um. Nicht aus Nostalgie – sondern weil eine Maschine die Arbeit so verändert hat, dass die offene Fläche ihr nicht mehr gewachsen ist. Was das für alle heißt, die Räume planen.
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