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How do you do?
Wer in Großbritannien so begrüßt wird, gibt keine Auskunft über sein Befinden. Er antwortet mit derselben Frage: How do you do? Förmlicher geht es kaum.
Außer an einem Ort: im Privy Council. Dort gibt der König seine Zustimmung zu Verordnungen, die seine Minister längst beraten haben. Er sagt ein einziges Wort: „Approved.“ Und alle stehen dabei.
Queen Victoria soll den Brauch eingeführt haben, um die Sitzungen kurz zu halten. Sie blieb einfach stehen. Und solange der Souverän steht, setzt sich niemand. Bis heute steht selbst der König.
Kürzer als mit Etikette kann man ein Meeting nicht machen.
In Ausgabe #148 haben wir erzählt, warum alle sitzen bleiben. In Ausgabe #159 stehen wir auf. Und schauen nach, was dabei in unserem Körper passiert. |
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Was dein Körper tut, wenn du aufstehst |
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von Hannes Hilbrecht
Es passiert in jedem Meeting, das zu lange dauert. Minute 58, die dritte Folie mit der Überschrift »Nächste Schritte«. Ein Kollege steht auf. Nicht demonstrativ. Einfach so, um sich an die Fensterbank zu lehnen. Und plötzlich schaut der ganze Raum hin, als hätte er etwas gesagt.
Hat er auch. Nur nicht mit dem Mund.
Fangen wir mit dem an, was in diesem Moment in ihm passiert. Es ist erstaunlich dramatisch für eine so banale Bewegung.
In der Sekunde, in der er sich aufrichtet, sackt rund ein halber Liter Blut in Beine und Bauch. Die Schwerkraft zieht, das Blut folgt. Zum Herzen fließt weniger zurück, der Blutdruck fällt, und für einen Augenblick bekommt auch das Gehirn weniger Blut.
Das klingt nach Notfall. Für den Körper ist es einer. Nur ein sehr gut geübter.
Druckfühler in der Halsschlagader und in der Hauptschlagader melden den Abfall. Das Nervensystem nimmt sofort den Fuß von der Bremse, und der Puls steigt. Kurz danach setzt der Sympathikus ein, der Teil des Nervensystems, der uns wach und handlungsbereit macht. Die Gefäße ziehen sich zusammen, der Druck stabilisiert sich. Das Herz schlägt danach spürbar schneller als im Sitzen.
Der Kollege an der Fensterbank hat gerade einen kleinen Kreislaufnotfall gelöst. Er hat es nicht einmal gemerkt.
Stehen ist also kein Ruhezustand. Es ist eine Leistung. Und der Körper ist dabei eine Spur wacher als im Sitzen.
Für Besprechungen hat das Folgen. Der Organisationsforscher Allen Bluedorn ließ 1999 mehr als hundert Fünfergruppen dieselbe Aufgabe lösen, die Hälfte davon im Stehen. Die Sitzmeetings dauerten 34 Prozent länger. Bessere Entscheidungen brachten sie nicht.
Fünfzehn Jahre später schauten Andrew Knight und Markus Baer an der Washington University in St. Louis genauer hin. Ihre Teams sollten in 30 Minuten ein Werbevideo für die Uni entwickeln, in Räumen mit Stühlen oder ganz ohne. Die stehenden Gruppen waren körperlich aktivierter. Und sie klammerten sich weniger an ihre eigenen Ideen.
Im Sitzen hat jeder seinen Platz. Offenbar auch für seine Idee.
Bis hierhin klingt alles nach einer klaren Empfehlung: Stühle raus. Dann kam 2017.
Ein israelisches Forschungsteam meldete, dass Menschen im Stehen den Stroop-Test besser meistern, einen Klassiker der Aufmerksamkeitsforschung. Die Schlagzeilen schrieben sich von selbst: Im Stehen denkt man schärfer.
Das Problem: Andere Labore versuchten, das Ergebnis zu wiederholen. Und scheiterten, einmal sogar in fünf Anläufen. Eine Metaanalyse mit gut 600 jungen Erwachsenen fand keinen belastbaren Unterschied zwischen Sitzen und Stehen.
Zumindest bei der Aufmerksamkeit wird das Gehirn im Stehen also nicht messbar klüger. Es wird aber auch nicht dümmer. Auch das ist eine Nachricht, vor allem für alle, die am Stehtisch arbeiten.
Die spannendere Nachricht kommt aus Liverpool. Sophie Carter und ihr Team ließen 15 Büroangestellte vier Stunden am Stück sitzen. Danach strömte das Blut langsamer durch eine der großen Hirnarterien. Wer dagegen alle 30 Minuten zwei Minuten locker ging, hatte diesen Abfall nicht.
Wohlgemerkt: Getestet wurde Gehen. Nicht Stehen.
Denn wer stundenlang still steht, handelt sich neue Probleme ein. Eine Auswertung von über 83.000 Menschen aus der UK Biobank fand: Mehr Stehen statt Sitzen schützt das Herz nicht. Es kann aber das Risiko für Kreislaufprobleme wie Krampfadern erhöhen.
Da ist sie, die unbequeme Wahrheit hinter dem Stehtisch. Der Körper belohnt nicht das Stehen. Er belohnt den Wechsel. Den kleinen Notfall beim Aufstehen, die Muskelarbeit beim Gehen, das Zurücksinken in den Stuhl. Jede Haltung wird zur schlechten Haltung, wenn man zu lange in ihr bleibt. |
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Die Biologie des Aufstehens |
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| Schneller als ein Satz
Wenn wir aufstehen, reagiert der Körper in zwei Stufen. Der Puls steigt schon innerhalb von ein bis zwei Herzschlägen, weil das Nervensystem die Bremse löst. Die Gefäße brauchen etwas länger: Die zweite Stufe, getragen vom Sympathikus, greift nach sechs bis acht Herzschlägen. Bevor du im Stehen den ersten Satz sagst, hat dein Kreislauf schon einiges an Arbeit erledigt. |
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| Das zweite Herz sitzt in den Beinen
Ohne Gegenmaßnahmen würden beim Stehen Füße und Unterschenkel anschwellen. Dass das nicht passiert, liegt an einem Team: Venen, die sich verengen, Venenklappen, die verhindern, dass das Blut wieder nach unten sackt, und Beinmuskeln, die es bei jeder Bewegung nach oben pumpen. Deshalb hilft Gehen dem Blut so viel besser zurück zum Herzen als Stehen. Die Pumpe arbeitet nur, wenn sich etwas bewegt. |
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| Das Gehirn regelt nach Im Stehen liegt der Kopf am höchsten Punkt des Körpers, dort sinkt der Blutdruck. Das Gehirn gleicht das selbst aus: Seine Gefäße weiten sich, damit der Blutfluss stabil bleibt. Ein Organ mit eingebautem Druckregler. |
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Eine Minute Kniebeugen alle 20 Minuten hat im Experiment gereicht, um das Denken beim langen Sitzen fit zu halten. Junge Erwachsene saßen drei Stunden lang, die Hälfte mit kurzen Halbkniebeugen zwischendurch. Beim Stroop-Test wurde die Kniebeugen-Gruppe am Ende um 3,5 Prozent schneller, die Gruppe ohne Pause um 4,2 Prozent langsamer. Bewegung schlägt immer starre Haltung. |
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Höhenverstellbarer Schreibtisch: Warum er oft unten bleibt und wie Teams ihn wirklich nutzen |
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Ein höhenverstellbarer Schreibtisch wirkt nur, wenn er regelmäßig verstellt wird. Empfohlen sind zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde. Ob das im Alltag gelingt, entscheidet aber keine technische Einstellung, sondern jene zur Arbeitshaltung. |
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Was passiert, wenn man Büro neu denkt?
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